Die
Geschichte der Lesegesellschaft
Stammheim
Die hier dargestellte Geschichte der Lesegesellschaft
Stammheim gründet sich auf der Chronik von Stammheim,
welche im Jahr 1910 von A. Farner verfasst wurde.
Aus „Geschichte von Stammheim“ von A. Farner
Gegen Ende des Jahres 1842 traten etliche Männer von
Ober-Stammheim zusammen, um eine Gesellschaft zu bilden,
die von nun an jede Woche an einem bestimmten Tag zur
Pflege der Geselligkeit und etwa auch zu einem Vortrag
zusammenkommen wollte. In einem Lokal, das den Mitgliedern
täglich zur Benutzung offen stand, lag der "Republikaner",
die "Bürkli-, die "Neue Zürcher Zeitung", der "Landbote",
der "Kurier", "der deutsche Bote" und einige andere Blätter
zum Lesen bereit. Es geht daraus hervor, dass die
Gesellschaft, die den Namen einer Lesegesellschaft
Stammheim annahm, wenigstens im Anfang ein stark
politisches Gepräge hatte. Sie zählte bei ihrer Gründung
nur neun Mitglieder, alle von Ober-Stammheim.
Mit besonders weihevoller Stimmung wurde jeweils der 22.
November zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag von Uster
im Jahr 1830 gefeiert. Im Jahr 1843 wurde dann die
Volksbibliothek gegründet.
Die Lesegesellschaft versammelte sich bald nur noch einmal
im Jahr, eben an ihrem Stiftungstag, abwechselnd auf der
Gemeindestube Ober- und Unterstammheim. Dabei wurden und
werden jetzt noch nach Abwicklung der statutarischen
Geschäfte Lieder gesungen und Vorträge gehalten.
Im Jahr 1863 wurde die Leihkasse Stammheim gegründet. Im
Jahr 1867 eine Fortbildungsschule, welche später durch die
Volkshochschule Stammheim ersetzt wurde.
Die guten Wirkungen der Volksbibliothek traten bald zu
Tage. Pfarrer Staub konnte schon 1851 konstatieren, dass
die Spielsucht in den letzten zehn Jahren bedeutend
abgenommen habe. Auch der Aberglaube, die Furcht vor Hexen,
bösen Geistern und Gespenstern, die Anwendung von
Beschwörungsformeln behulfs Heilung von Krankheiten bei
Menschen und Tieren, verlor unter dem Einfluss der
Aufklärung zusehends an Boden.


